Wenn das Tor zur Welt einen geißelt

Jeder der irgendwann mal unglücklich oder glücklich verliebt war, wird  zustimmen können, wenn ich sage: Ich bin die Geisel meines Handys!

Und meines Notebooks, meines Festnetztelefons und sogar des Firmennotis.

Würde hier nun meine Telefonleitung oder meine Handykarte den Geist aufgeben, würde man wohl am nächsten Tag in der Zeitung lesen, daß eine mitte dreißigjährige Mutter spontan Amok gelaufen ist und böse Sachschäden im örtlichen Telekommunikationsladen herbei geführt hat.

Dies hätte 2 ganz böse Beigeschmäcker 1. bin ich noch gar nicht mitte Dreißig sondern grad mal Schnapszahldreißig und 2. würde ich wohl anschließend maximal noch gute alte Briefe durch dicke Gitterstäbe gereicht bekommen, was die momentane IST Situation wirklich nicht vereinfachen würde.

Aber die Veränderungen von Gegenständen zu einer Art Lebenselexier ist schon beänstigend.

Nicht das ich das nicht kennen würde, ich kenne dieses Warten und meine Art damit umzugehen.

Ist das Handy sonst ein Gegendstand vom geringen materiellen Wert, was gern mal im Morgenwusel vergessen wird, was einen zwar erreichbar macht aber hauptsächlich zur allgemeinen Bespaßung durchs Internätz während der Mittagspause oder anderen Wartezeiten dient, so hat es nun einen Raum in meinem Leben, der mit unheimlich ist.

Wie gesagt nicht neu aber ich ärgere mich (wie jedesmal) über mich selbst.

Keinen Schritt ohne dieses Gerät, 100 mal am Tag wird die Tastensperre gelöst, weil es ja sein könnte, daß man den verräterischen Piepton doch überhört hat, egal wie unwahrscheinlich, weil es ja eh immer neben einen liegt, nach jeden kurzen Gang weg vom Gerät, der Blick….

Ähnlich verhält es sich mit dem Festnetz, nur anders im Verhalten.

Hier kommt mit dem Klingelton sofort ein ordentlicher Schub Adrenalin in meine Blutlaufbahn, der hauptsächlich dadurch wieder versiegt, weil es eben doch nicht DIESE Nummer ist, die dann im Display leuchtet. Sehr muß ich aufpassen mich trotzdem gewohnt freundlich zu melden, den Mädels nicht jedes Mal zu sagen: … ist dran aber halt Dich kurz!

Nein das darf sie nicht, sie hat hier ihr Leben, das Leben ist bunt und besteht nicht aus dem Mann-der-gegangen-ist, nein tut es nicht !!! Mantramantramantra!!!!!

Selbst mein armes Noti müßte mittlerweile ordentlich heißer sein, weil es eben nicht nur die Herzlieder in Dauerschleife abspielen, sondern auch jede eingehende Email durch einen lauten Pling mit kundtun muß.

Dies ist nicht nur äußerst hinderlich im normalen Alltag.

Nach nun 5 Tagen ohne IHN kann ich sagen: Es raubt mir nicht nur den Verstand, sondern vorallem auch den Schlaf!!!

Kam am Tag eine Nachricht, die mit den typischen Mannworten: Bis später oder auch gern meld mich später nochmal – endete, so liege ich da, beim Einschlafen, mit dem Handy in der Hand, dem Notebook neben mir und schlafe beim Lauschen in die Stille ein, werde gefühlt jede Stunde wach und kontrolliere die Medien, ob ich was verschlafen habe und wie soll es anders sein, eigentlich immer ohne Erfolg.

Das kann wirklich so nicht weitergehen! Ja ich geißel mich, ja ich benehme mich nicht normal, ja ich muß mich ändern aber wie bitte?

All diese Wut, die immer wieder in Schüben über mich kommt vermag nicht ansatzweise gegen diese Liebe anzugehen, die durchgehend warm bis brennend in mir ist.

In mir für IHN.

Ich scheine ein sehr großes Herz zu haben, zumindest größer als mein Kopf, denn der Kopf darf maximal Nebensächlichkeiten melden.

Ich vermisse ihn so unendlich, er fehlt beim einschlafen, er fehlt beim aufwachen, er fehlt beim Abendbrot, er fehlt Mittags am Telefon, er fehlt abends auf dem Sofa, er fehlt nachmittags bei den Spaziergängen mit dem Herrn Hundeopa. Er fehlt selbst da, wo er sonst auch nicht dabei war…

Ich fühle mich grad so leer.

Ich bemerkte wie ich mich zu so vielen Sachen aufraffen muß, die sonst selbstverständlich waren, er kommt eben nicht abends nach Hause und die Mädels finden ungesaugte Böden und Pizza aus dem Backofen so garnicht schlimm.

Wahrscheinlich patsche ich mir in einpaar Wochen an den Kopf, wenn ich diese Zeilen nochmal lese, jetzt ist es aber der IST Zustand, mein Leben für heute, von gestern, vom Wochenende, ein wirklich schweres Wochenende.

Er hatte sich gemeldet, sogar mit Zeit, 15 Minuten am Telefon, mit den Kindern, Reiseberichte, Chaosberichte, Fragen zu uns, kein Gespräch zu zweit aber gut für die Kinder.

Heute mittag dann eine sms.

Kein fröhlicher Reisebericht, ein Problemstatus, Rucksack des Bruders weiterhin nicht aufgetaucht, Hostel müßte eigentlich heute geräumt werden, Verlängerung steht noch nicht fest, es ist kalt, es ist zu teuer in dieser Großstadt, sie müssen sich kümmern, er vermisst mich!!!!

Da waren sie dann, die ersten wohlwollenden Tränen.

2 Worte, 2 kleine Worte auf die ich so sehr gewartet hatte.

Endlich durfte das Handy mal ans Herz gedrückt werden.

Albern, Quatsch, normale Reaktion nach meiner Ansage? Oder echtes Gefühl?

Ist mir das wichtig? Ja! Aber bitte nur für die 2. Variante! 🙂

Es muß also was geschehen, dieses Im Kreis drehen muß aufhören, zumindest bitte, bitte langsamer werden, ich muß mich separieren, mein ich separieren, muß mich fragen was jetzt anders ist als letztes Jahr.

Ist es die Entfernung? Die Zeit davor? Dieses Gefühl in der Defensive zu stecken? Die Angst vor dem nicht schaffen? Vielleicht auch vor dem nicht wollen?

Wohl zu kurz um eine Antwort zu finden aber höchste Zeit um etwas runter zu kommen!

Any Ideas?

 

 

 

 

Advertisements

Über vonpummelfeezuelfe

Über mich? Steht doch alles im Blog! :-)
Dieser Beitrag wurde unter Emotionales abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Wenn das Tor zur Welt einen geißelt

  1. choco schreibt:

    Na endlich!!!! Endlich hat er doch mal ein kleines bisschen von seinem Seeleninneren gezeigt! Ist das so schwer?! Kann er sich doch denken, wie es in Dir aussehen muss.

    Kennt er eigentlich diesen Blog?

    • vonpummelfeezuelfe schreibt:

      Doch schwer scheint es zu sein liebe Choco zumindest für ihn und das obwohl er sehr gut denken kann, wofür haben wir ihn schließlich zur Uni geschickt :-).

      Aber wenigstens hatte ich ihn, diesen kurzen hellen Moment, etwas neue Kraft fürs Herz.

      Er weiß das ich einen Blog schreibe aber ich habe ihm nie diesen Blog gezeigt, vielleicht könnte er es herausfinden, wenn er wollte, würde mich aber ehrlich gesagt sehr wundern.

  2. SusiP schreibt:

    Das klingt doch gut (so blöd wie die ganze Situation an sich sonst ist).

    Freu dich und versuch etwas „Abstand zum Handy“ zu gewinnen. Das kommt aber vielleicht automatisch nach einiger Zeit.

  3. sabine schreibt:

    …meine erfahrung…..alles was wir weg haben wollen- bleibt um so hartnäckiger….also ja sagen ist die devise…JA…zum schmerz, dem verlustgefühl, der trauer, der einsamkeit, dem im-moment-nichts-anderes-machen-können….
    vielleicht ist es ein versuch wert..?!
    liebe grüße
    sabine

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s