Das Erinnungsscheißweinwochenende

Ja das war es wohl, da half das schöne Herbstwetter auch nichts.

Freitag konnte ich noch aktiv sein, telefonierte mit der Familie, mit den engsten Freundinnen, konnte weinen am Telefon, wurde Gott sei Dank mit wenig Floskeln beladen und selbst die die kamen waren von Herzen, eine Art aktives traurig sein.

Abends dann 2 Gläser Wein mit dem Mann und ich schlief total erschöpft auf dem Sofa ein.

Wach geworden bin ich Samstagmorgen mit Szenen aus dem Personalgespräch und mit feuchten Augen, daß sehr früh aber an Schlaf war nicht mehr zu denken, also schnappte ich mir die beiden Hundemänner und ging eine große Runde durch die Felder, dachte in der Gegend rum, versuchte das Positive zu finden und weinte nochmal etwas oder auch etwas mehr.

Die Situation am Samstag war eh total irreal.

Ich, die den Hammerschlag verkraften mußte auf der einen Seite und der Mann, der voller Vorfreude auf Montag noch in die Stadt zum Klamottenkaufen begeben wollte auf der Anderen.

Wir gingen trotzdem gemeinsam, also bei aller Weltuntergangsstimmung, den Mann lass ich nicht alleine los, um sich Klamotten zu kaufen, ne ne ne! 🙂

Es war aber ein Spiessrutenlauf, vorallem weil in meinem Kopf noch ein Gedanke wirbelte.

Heute Abend ist Betriebsfest – gehen oder nicht?

Hingehen und noch einmal mit den Menschen feiern, die Dir all die Jahre so sehr ans Herz gewachsen sind, es zu riskieren die Tränen nicht zurück halten zu können, es riskieren Menschen die Meinung zu sagen, bevor die Zeugnisse geschrieben sind, es riskieren Blicke zu bekommen, die ich mir wirklich ersparen möchte aber eben noch einmal dabei gewesen zu sein?

Die ganze Zeit schwirrten die Gedanken in meinem Kopf rum.

Vorsichtshalber kaufte ich mir noch neue Wimperntusche und ne Haarkur für schönen Glanz, damit ich gerüstet wäre und nahm mir noch in der Stadt vor, bis 18 Uhr Zeit zu haben für diese Entscheidung.

Ich schrieb noch mit dem Herrn LK und fragte nach seiner Meinung, diese war ehrlich aber im Endeffekt genau so hin und hergerissen, wie meine eigene Gefühlswelt und als ich dann bei seinem letzten Satz von ihm schon wieder weinen mußte, wußte ich eigentlich schon, daß das Ding gegessen ist.

Blöße geben, ne das wollte ich nicht!

Als ich dann meine zweitliebste Kollegin anrief, war es dann schon klar, ich geh nicht.

Der Mann war, wie schon am Freitag einfach nur gut in allem.

Er kaufte nochmal 2 Flaschen Wein und meinte: So Schatz, wenn ich mich richtig erinnere brauchen wir jetzt nur noch etwas Dummlabern über das vergangene Jahr, das kommende Jahr, schlechte Musik, die sehr laut ist, einen miesen Übergang von Stück zu Stück und was leckeres zu essen. Wir spielen es hier nach!

Er ist einfach manchmal zu gut!

Heute ist es sehr schwer.

Ich habe Unterlagen für eventuelle Anwaltsbesuche rausgesucht, bin auf viele, viele Erinnerungsstücke aus den 12 Jahren gestoßen, habe meinen Notirucksack ausgeräumt, habe noch eine Packung Gummibärchen gefunden, von wann die waren weiß ich nicht, schmeckten aber noch, habe versucht mich Online über einpaar Sachen schlau zu machen und bei all dem bemerkt.

Es fällt mir sooooo unendlich schwer!

Konzentrieren ging nicht wirklich, die Gedanken kreisen immer um morgen.

Wie überlebe ich den Tag?

Mmuß ich übermorgen noch mal hin?

Was mache ich da eigentlich dann noch?

Gehe ich rum und sage tschüß?

Schreibe ich nur eine Mail an einpaar Kollegen?

Hab ich überhaupt noch Zugang zum System?

Was muß ich noch mitnehmen?

Wie krieg ich meine privaten Sachen möglichst unauffällig raus?

Wie kann ich dem Chef in die Augen gucken?

Bekomme ich die Formalitäten direkt schriftlich?

Wieviel Taschentücher nehme ich mit?

Schmink ich mich?

Nehm ich die Sonnenbrille mit auf wenn es nicht sonnig ist?

Was zieh ich an?

Muß ich noch irgendwas an den LK übergeben?

Wie schaff ich es verdammt noch mal nicht die ganze Zeit zu heulen?

 

Ja ein Scheißerinerungsweinwochenende geht mit lauter Fragen im Kopf zu Ende.

Ich will heute einfach nur noch das es vorbei ist und ich es hinter mir habe.

Wann fängt endlich die Zeit an, daß ich darüber lachen kann?

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Über vonpummelfeezuelfe

Über mich? Steht doch alles im Blog! :-)
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4 Antworten zu Das Erinnungsscheißweinwochenende

  1. steffi schreibt:

    Liebe Pummelfee,
    fühl dich mal von uns Norddeutschen fest gedrückt.
    Sowas braucht keiner.
    LG
    Steffi

  2. choco schreibt:

    Guten Morgen,

    da muss man sich wirklich selber ein kleines Tränchen wegdrücken – aus Mitgefühl und dem Erinnern, dass man selber sowas erleben könnte…schneller, als man es erwartet!

    Bitte lass es uns wissen, was nun geschehen ist, ja?

  3. nicknack schreibt:

    Mein Herz,

    ich rufe dich heut abend nach der Krankenhausrunde an. Denk dran das wir nen Anwalt in der Familie haben, Arbeitsrecht wohlgemerkt !!!

    Drück dich, Nicknack

  4. schnackeline schreibt:

    (((Pummelelfe)))
    Ich hab gerade einen langen Kommentar wieder gelöscht. Es gibt nichts zu sagen, weil jedes Wort überflüssig ist. Pummelelfe, ich weine und fühle mit Dir!
    Traurige Grüße
    Schnackeline

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